Ein neues Buch, ein neues Bild

Klaus Jäger
Klaus Jäger. Foto: Matthias Eckert

Große Ereignisse, so sagt man, werfen ihre Schatten voraus. Oder ihre Bilder.

Im kommenden Frühjahr wird ein neues Buch von mir das Licht der Welt erblicken. Der Roman ist bereits seit geraumer Zeit fertig und bedurfte mehrerer Überarbeitungen, bis ich damit zufrieden war.
Auch die Verlagssuche gestaltete sich schwierig, da mich Verleger und Publikum durch verschiedene Fügungen und vier vorausgegangene Kriminalromane längst in die Krimi-Schublade gesteckt hatten – da ist es schwer, sich wieder herauszukämpfen.
Schließlich war es der Thüringer Verleger Siegfried Nucke (Tasten & Typen, Bad Tabarz), der von dem Roman sofort überzeugt war und derzeit ein Buch daraus macht.
Es wird im Frühjahr 2020 unter dem Titel „Carlotta oder Die Lösung aller Probleme“ erscheinen.

Ein hinreichender Anlass für mich, wieder einmal den ungeliebten Gang zum Fotografen anzutreten. Die letzten „offiziellen“ Bilder von mir sind mittlerweile sieben Jahre alt. Mein Gesicht zieren inzwischen ein paar Falten mehr, das Grau dominiert die Haare, die glücklicherweise noch nicht weichen wollen.

Der Weimarer Fotograf Matthias Eckert, bekannt durch seine Werbeagentur „eyespalast“ hat mich hoffentlich ins richtige Licht gestellt. Die Ergebnisse sehen Sie im Menüpunkt „Galerie“ als jüngsten Beitrag. Die Fotos sind in geringer Auflösung. Wer für eventuelle Veröffentlichungen ein hochauflösendes Foto benötigt – einfach bei mir anfragen. Und immer an die Urheberrechte denken! Verwenden Sie die Bilder also bitte nur mit dem Vermerk: „Foto: Matthias Eckert“.

Neues zum neuen Buch gibt es an dieser Stelle, wenn es Neues zum neuen Buch gibt.

Nebel über dem Kaukasus

Was der Schreiber so liest (30):

Nino Haratischwili: Die Katze und der General (2018)

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Nino Haratischwili: Die Katze und der General. Frankfurter Verlagsanstalt 2018

Gleich mit ihrem Romandebüt „Juja“ (2010) schaffte es die 1983 in Georgien geborenen Nino Haratischwili auf die Longlist des Deutschen Buchpreises. Acht Jahre später und nach ihrem großen Erfolg „Das achte Leben (Für Brilka)“ erschien in der Frankfurter Verlagsanstalt „Die Katze und der General“ – und landete bereits auf der Shortlist für den Buchpreis. Ob dabei die Tatsache eine Rolle spielte, dass Georgien 2018 das Gastland der Frankfurter Buchmesse war, bleibt natürlich ein Geheimnis der Jury.
Worum geht es in dem Buch? Haratischwili verknüpft ein grausiges Geschehen während des Tschetschenien-Krieges vor 20 Jahren mit dem Leben der Einwanderer in Berlin in der Gegenwart. Die „Katze“, eine Schauspielerin, die wie ihre Schöpferin aus Georgien stammt, bekommt von einem russischen Oligarchen, dem „General“ ein seltsames, aber lukratives Angebot. Für ein Video soll sie eine Tote spielen, eine junge Frau, die vor 20 Jahren in Tschetschenien bei einer Vergewaltigung getötet wurde. „Nebel über dem Kaukasus“ weiterlesen

Mit fahrlässiger Tollkühnheit

Was der Schreiber so liest (29):

Patricia Highsmith: Der talentierte Mr. Ripley (1955)

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Patricia Highsmith: Der talentierte Mr. Ripley. Diogenes, 2002

Es gilt allgemein als verpönt, wenn man Krimis „spoilert“, wenn man dem Leser wesentliche Handlungselemente verrät, bevor er das Buch aufschlägt. Bei Patricia Highsmiths „Der talentierte Mr. Ripley“ darf man da getrost eine Ausnahme machen. Schließlich – es ist ja auch kein Geheimnis, dass Faust ein Verhältnis mit dem minderjährigen Gretchen eingegangen ist. Und Highsmiths Mr. Ripley ist nun einmal ein Monument. Jeder, der sich ernsthaft mit Kriminalliteratur beschäftigt – egal, ob als Leser oder als Schreiber – sollte Highsmith gelesen haben. Genauso wie die Bücher von Edgar Allan Poe und Agatha Christie, Raymond Chandler und Rex Stout, Petros Markaris und P.D. James, Arkadi Adamow und Polina Daschkowa, Andrea Camilleri und Henning Mankell, Horst Bosetzky (-ky) oder Michael Preute (Jacques Berndorf) … ich höre wohl besser auf.
Patricia Highsmith begründete ihren Ruhm vor allem darauf, die bis dato geltenden Konventionen des Kriminalromans vollkommen auf den Kopf gestellt zu haben. Bei Highsmith siegt das Böse über das Gute; der Mörder Ripley kommt davon.
So einfach? So einfach ist das nicht… „Mit fahrlässiger Tollkühnheit“ weiterlesen

Klein, fein – und doch ein wenig schlicht

Was der Schreiber so liest (28)

Stephen King: Erhebung (2018)

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Stephen King: Erhebung. Heyne 2018

Das hat mich dann doch ein bisschen ratlos gemacht: Komme ich eines Tages zu meiner Buchdealerin, und sie fragt mich mit schelmischem Lächeln, ob ich den neuen King nicht mitnehmen will. Eine steile Falte gräbt sich in meine Stirn. Den „Outsider“ hatte ich erst vor ein paar Wochen gekauft. Da lächelt sie und weist auf ein unscheinbares Bändchen. Eine Verwechslung? In gelben Versalien steht dort der Name des Meisters – auch das Logo des Heyne-Verlages findet sich. Ich nehme das Leichtgewicht in die Hand. Es ist so anders als die Kings, die ich kenne. Zwar ein Hardcover, fehlt ihm aber der Schutzumschlag. Und dann: 144 Seiten, es wiegt fast nichts.
Das hat „Erhebung“ auch mit seinem Protagonisten gemeinsam. Scott Carey, eine stattliche Erscheinung von 1,93 Meter, wird immer leichter, ohne dass sein Körper sich verändert. So weit, so schlecht. Ein befreundeter und pensionierter Arzt, den er ins Vertrauen zieht, weiß keinen Rat – die empfohlene Untersuchung durch Spezialisten lehnt Scott ab, er will nicht in irgendein Räderwerk höherer Mächte geraten. „Klein, fein – und doch ein wenig schlicht“ weiterlesen

Im Rausch der Gewalt

Was der Schreiber so liest (27)

Joyce Carol Oates: Pik Bube (2015)

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Joyce Carol Oates: Pik Bube. Droemer 2018

Im Zeitalter lesbarer Briketts ist es eher ein schmales Bändchen, das Joyce Carol Oates mit dem Psycho-Thriller „Pik Bube“ vorlegt. Darin führt der Protagonist, der berühmte und erfolgreiche Kriminalschriftsteller Andrew Rush (der im Buch von der Kritik als „des Bildungsbürgers Stepen King“ klassifiziert wird) ein nur scheinbar harmloses Doppelleben. Nachts schreibt er unter dem Pseudonym „Pik Bube“ bluttriefende Gewaltfantasien. Nicht einmal seine Familie, geschweige denn sein Verlag oder die Öffentlichkeit wissen, wer sich hinter dem Namen Pik Bube verbirgt. Indes: Pik Bube ergreift mehr und mehr Besitz von Andrew Rush, steuert zunächst nur sein Denken … und das Unheil nimmt seinen Lauf.
Auslöser ist die Klage einer geistesgestörten Frau, die Rush des Plagiats und des Diebstahls bezichtigt. „Im Rausch der Gewalt“ weiterlesen

Warmherzig und betulich – Queen Agatha

Was der Schreiber so liest (26)

Agatha Christie – Die Autobiographie (1950-1965)

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Agatha Christie: Die Autobiographie. Hofmann und Campe, 2017.

Die Autobiografie von Agatha Christie ist anders als andere Autobiografien. Das beginnt mit der Einordnung der Handlungszeit. Ihre Kapitel tragen Überschriften wie „Eine glückliche Kindheit“, „Spiel und Ernst“, „Rund um die Welt“ oder „Die Härten des Lebens“. Das Buch ist zwar chronologisch aufgebaut. Aber eine Jahreszahl oder eine Datumsangabe findet sich äußerst selten. Nur an historischen Ereignissen wie dem Ersten Weltkrieg kann man die Handlungszeit festmachen. Es erstaunt auch, dass Agatha Christie ihr Schriftstellerleben nur relativ kurz behandelt. Dabei erfährt man zwar alles Wichtige, aber ihre erste Kurzgeschichte, die „an einem unfreundlichen Wintertag“ entstand, Christie muss damals noch ein Teenager gewesen sein, taucht erst auf Seite 213 auf, Poirot wird auf Seite 305 erfunden und „Warmherzig und betulich – Queen Agatha“ weiterlesen

Tod mit Ansage

Was der Schreiber so liest (25)

Sabine Schulze Gronover: Todgeweiht im Münsterland (2012)

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Sabine Schulze Gronover: Todgeweiht im Münsterland. Emons Verlag Köln, 2012

Stellen Sie sich vor, Sie liegen entspannt am Strand der Ostsee und Ihnen begegnet eine interessante, leichtfüßige Frau, die Ihnen wie beiläufig sagt, Sie hätten nur noch fünf Tage zu leben, bevor Sie buchstäblich spurlos verschwindet. Der Schock wäre nachvollziehbar.
In genau diese Situation wirft die Autorin Sabine Schulze Gronover ihren Protagonisten Michael Schubert in ihrem Kriminalroman „Todgeweiht im Münsterland“. Der Held ist Cheflektor, und ausgerechnet der von ihm beförderte Roman um eine Familientragödie löst eine ganze Reihe neuer Verbrechen aus. Dabei wollte sich Schubert noch ein paar schöne letzte Tage machen und nun ist er mittendrin und buchstäblich vom Tod umgeben. „Tod mit Ansage“ weiterlesen

Hinunter bis in die Hölle

Was der Schreiber so liest (24)

Stephen King: Der Outsider (2018)

Stephen King: Der Outsider. Heyne Verlag München, 2018

Pünktlich im Herbst beschenkt uns der Meister des Grauens. Zwischendurch spuckt er noch ein paar kleinere Spukgeschichten aus, sodass die Fans von Stephen King immer wieder etwas zu lesen haben.
Das 2018er Werk heißt „Der Outsider.“ Stephen King erzählt darin die Geschichte eines schrecklichen Kindsmordes. Augenzeugenberichte und die Spurenlage weisen auf den bislang unbescholtenen Baseballtrainer Terry Maitland. Der indes hat ein einwandfreies Alibi, was sich erst nach seiner Verhaftung zeigt. Mehr noch: Je tiefer die Ermittler um Ralph Anderson graben, umso mehr Ungereimtheiten treten zu Tage. Dumm nur, dass der Verdächtige auf den Stufen des Gerichts vom Bruder des Opfers erschossen wird.
Es ist einer der Schwachpunkte des „Outsiders“, dass der Übergang von einem packenden Thriller in eine übernatürliche Geschichte diesmal nicht fließend geschieht, „Hinunter bis in die Hölle“ weiterlesen

Apfelnuss und Mandelkern

Eine kleine Weihnachtsgeschichte von Klaus Jäger

Spielzeugladen
Elke und Thomas Parpart in ihrem Spielzeugladen. Foto: Klaus Jäger

Weihnachtszeit, schönste Zeit … Meine Wege führten mich gestern zum Spielzeughändler meines Vertrauens. Ich hatte ihn lange nicht gesehen. Nicht nur, weil die Enkel immer größer werden und es sie eher in Elektronikmärkte als in Spielzeugläden zieht. Es ist bedauerlicherweise auch so, dass sie und ihre Eltern es sich mit dem Wünschen von Jahr zu Jahr einfacher machen: Ein Gutschein rangiert bei ihnen ganz weit oben, ersatzweise tut es auch Bargeld.
Das gefällt Großeltern nicht, ist sich auch der Spielzeughändler sicher. „Omas wollen Geschenke machen, wollen die Augen der Enkel leuchten sehen“, weiß er aus Erfahrung. Nun, gestern wollte ich nicht stöbern, sondern gezielt kaufen.
„Habt Ihr Beyblades?“, fragte ich vage. Meine Schüchternheit in dieser Frage erklärt sich aus dem Umstand, „Apfelnuss und Mandelkern“ weiterlesen

Ein Jäger in der Bücher-Bar

Arbeitszimmer
Der Jäger im Winterkleid. (Foto: kj, 2016)

Lässt sich ein Krimi-Autor so einfach Krimi-Autor nennen?
Was haben Indianergeschichten mit Kriminalromanen zu tun?
Darf man echte Menschen als Blaupausen für Romanfiguren nehmen?
Liefert eine Thüringer Kleinstadt genügend Stoff für eine Krimi-Reihe?
Ist es legitim, als Autor andere Bücher zu rezensieren?
Muss man Angeln können, um gerne Fisch zu kochen?
Eine lange Plauderei im Studio von Radio F.R.E.I (Freier Rundfunk Erfurt International) zwischen Radiomacher Richard Schaefer und mir lieferte ersterem das Material für eine neue Folge der Sendung Bücher-Bar, die am 18. November ausgestrahlt wurde.
Herzlichen Dank an Richard Schaefer und Radio F.R.E.I. für die Gelegenheit, meine Gedanken zu den Themen Lesen und Schreiben zu äußern.

Wer den Termin verpasst hat, kann hier noch einmal nachhören.

Die dazwischen eingespielten Musiktitel wurden aus verwertungsrechtlichen Gründen herausgeschnitten.
Eine Tasse Tee oder ein Glas Rotwein sind zum Ertragen nicht zwingend erforderlich, können aber den Genuss befördern – immerhin dauert das Gespräch 42 Minuten. Hilfreich ist auch einer meiner Krimis in Reichweite, damit man danach direkt weiterlesen kann.