Die letzte Liebe

Was der Schreiber so liest (20)

Max Frisch: Montauk (1975

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Max Frisch: Montauk. Suhrkamp 1978

Wer aus meiner Generation Max Frisch schon als Kind gelesen hat, der outet sich als westsozialisiert. Dort hat der Schweizer, den ich lange Zeit für einen Dramatiker gehalten habe, längst den Weg in den literarischen Schulkanon gefunden. Ich bin viel später auf den Mann aus dem kleinbürgerlichen Milieu gestoßen, der dann doch so ein abwechslungs- und erfolgreiches Leben führte.
Mit „Montauk“ griff ich mir ein Stück aus dem Spätwerk. Das von dem ich wusste, dass es am meisten autobiografisch eingefärbt ist. Denn genau darum ging es mir: Was geschah wirklich an diesem Wochenende auf Long Island, das Frisch 1974 mit der 32 Jahre jüngeren Alice Locke-Carey verbrachte? „Die letzte Liebe“ weiterlesen

Den Wolf herbeigeschrieben

Was der Schreiber so liest (15)

Antje Babendererde: Isegrim

Isegrim
Antje Babendererde: Isegrim. Arena Verlag 2013

Ich habe keine Ahnung, wann ich das letzte Mal ein Jugendbuch gelesen habe. Doch weil mir Antje Babendererde versichert, „Isegrim“ sei für Erwachsene ebenso geeignet wie für Jugendliche, lasse ich mich auf das Experiment ein.
„Isegrim“ interessiert mich vor allem als Wolfs-Geschichte. Ein Thema, das gerade für Thüringen hochaktuell ist. Und so staune ich über alle Maßen, dass Antje Babendererde das Auftauchen des Wolfes auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Ohrdruf bereits vor fünf Jahren bis ins Detail vorwegnahm. Eine Bestätigung für diejenigen, die schon immer sagten, es sei keine Frage ob, sondern wann der Wolf in Thüringen auftauche. „Den Wolf herbeigeschrieben“ weiterlesen

Die Gruppe

Die Gruppe

Die Gruppe
Die Gruppe, Eigenverlag Apolda, 2012
nur noch als E-Book erhältlich

Klappentext:

Mecklenburg im Sommer 1989. Während der Zerfallsprozess des real existierenden Sozialismus bereits im vollen Gange ist, wird Frank Weingart in die Psychiatrie eingewiesen. In einer Gruppentherapie sollen seine psychosomatischen Störungen behandelt werden. Mit neun anderen Patienten wird er fortan eine geschlossene Gruppe bilden. Der 30-Jährige muss sehr schnell sehr persönliche Beziehungen zu Menschen aufbauen, denen er vollkommen fremd ist. Dabei kommt er selbst quasi aus einem geschlossenen System – Weingart ist Hauptmann der Nationalen Volksarmee und verbrachte die letzten Jahre in einer Welt, die trotz Wehrpflicht den meisten Bürgern des Landes fremd ist. Doch es gibt noch eine dritte Gruppe, der Weingart angehört: Gemeinsam mit vier anderen Angehörigen seines Regimentes hat er ein Memorandum verfasst, das den Sturz der Regimentsführung zum Ziel hat. Machtmissbrauch und Korruption sind die Stichworte. Eine Gruppe hochrangiger Militärs versucht, eben das zu verhindern. Plötzlich erscheint seine Einlieferung in einem ganz anderen Licht. Ist Weingart gar nicht so krank, wie ihm seine Umwelt einredet? Hat die Militärabwehr dafür gesorgt, dass er hinter Klinikmauern verschwindet?
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