Vor dem Wind sein

Tagebuch-Auszug aus dem Corona-Jahr 2020

Das Jahr 2020 war für viele Schriftststeller ein Jahr der Zäsur: Messen wurden abgesagt, die Möglichkeit öffentlicher Auftritte brach weg, der Buchmarkt, vor allem der Präsenzbuchhandel zusammen, Verlage schlitterten in eine handfeste Krise … War das Jahr 2020 auch ein verlorenes Jahr? Hat uns jemand das Jahr 2020 gestohlen?
Nein.
Wir haben gelebt und geliebt, gelacht und geweint; wir haben gearbeitet und wir haben nach vorn gesehen.
16 Autoren des Thüringer Schriftstellerverbandes haben zum Jahresende eine Online-Anthologie zusammengetragen, in der sie Zeugnis ablegen, wie sie das Jahr 2020 empfunden haben.

Schreiben im Wohnmobil. Auf dem Stellplatz in Werne.

Mein Beitrag für diese Anthologie heißt „Vor dem Wind sein“. Es handelt sich um einen Auszug aus meinem Tagebuch aus der Zeit vom 17. bis 24. Mai 2020. Veröffentlicht wurde er in der Anthologie „Das gestohlene Jahr“ und von mir eingesprochen leicht gekürzt in der Audiobibliothek des Thüringer Literaturrates.

Und jetzt auch hier:

„Vor dem Wind sein“ weiterlesen

Im Rausch der Gewalt

Was der Schreiber so liest (27)

Joyce Carol Oates: Pik Bube (2015)

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Joyce Carol Oates: Pik Bube. Droemer 2018

Im Zeitalter lesbarer Briketts ist es eher ein schmales Bändchen, das Joyce Carol Oates mit dem Psycho-Thriller „Pik Bube“ vorlegt. Darin führt der Protagonist, der berühmte und erfolgreiche Kriminalschriftsteller Andrew Rush (der im Buch von der Kritik als „des Bildungsbürgers Stepen King“ klassifiziert wird) ein nur scheinbar harmloses Doppelleben. Nachts schreibt er unter dem Pseudonym „Pik Bube“ bluttriefende Gewaltfantasien. Nicht einmal seine Familie, geschweige denn sein Verlag oder die Öffentlichkeit wissen, wer sich hinter dem Namen Pik Bube verbirgt. Indes: Pik Bube ergreift mehr und mehr Besitz von Andrew Rush, steuert zunächst nur sein Denken … und das Unheil nimmt seinen Lauf.
Auslöser ist die Klage einer geistesgestörten Frau, die Rush des Plagiats und des Diebstahls bezichtigt. „Im Rausch der Gewalt“ weiterlesen

Nur ein kleiner Schritt

WriterDraußen vor dem Fenster liegen graublaue Wolken bleiern auf das Land. Die Krähen lassen sich ausgelassen vom Wind durch die Luft wirbeln, einem Wind, der ungestüm die Blätter von den Bäumen reißt. Auch den Sonnenscheinchen unter uns wird klar: Das war es jetzt mit den schönen Spätsommertagen. Ich sitze in meiner warmen Schreibstube, umgeben von Büchern und Papieren, einen dampfenden Pott Tee vor mir, und muss mich erst an den Gedanken gewöhnen, dass „Nur ein kleiner Schritt“ weiterlesen

Ein Koffer voller Notizen

Was der Schreiber so liest (3)

Stephen King: Finderlohn (2015)

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Stephen King: Finderlohn. Heyne Verlag 2015

Rund 2000 Wörter schreibt Stephen King täglich. Ein Pensum, das seinen Fans Jahr für Jahr einen dicken Wälzer beschert und ihm den Ruf eines oberflächlichen Vielschreibers eingebracht hat. Zu Unrecht – wer nachrechnet, stellt fest, dass ihm genügend Zeit für Überarbeitungen bleibt.
In diesem Herbst liegt »Finderlohn« in den Buchläden. Damit knüpft er unmittelbar an »Mr. Mercedes« (2014) an, ohne den Roman fortzuschreiben. Der begnadete Schriftsteller John Rothstein wird von einem psychopathischen Fan ermordet, der vor allem an den Notizbüchern Rothsteins interessiert ist, in denen dieser seine Romantrilogie fortschrieb. Die Bücher versteckte der Mörder gut, aber dann „Ein Koffer voller Notizen“ weiterlesen