Ein Koffer voller Notizen

Was der Schreiber so liest (3)

Stephen King: Finderlohn (2015)

Cover_Finderlohn
Stephen King: Finderlohn. Heyne Verlag 2015

Rund 2000 Wörter schreibt Stephen King täglich. Ein Pensum, das seinen Fans Jahr für Jahr einen dicken Wälzer beschert und ihm den Ruf eines oberflächlichen Vielschreibers eingebracht hat. Zu Unrecht – wer nachrechnet, stellt fest, dass ihm genügend Zeit für Überarbeitungen bleibt.
In diesem Herbst liegt »Finderlohn« in den Buchläden. Damit knüpft er unmittelbar an »Mr. Mercedes« (2014) an, ohne den Roman fortzuschreiben. Der begnadete Schriftsteller John Rothstein wird von einem psychopathischen Fan ermordet, der vor allem an den Notizbüchern Rothsteins interessiert ist, in denen dieser seine Romantrilogie fortschrieb. Die Bücher versteckte der Mörder gut, aber dann wird er für ein im Suff begangenes anderes Verbrechen verurteilt und wandert für Jahrzehnte in den Knast. Der Koffer mit den Notizbüchern wird von Peter Saubers gefunden, einem Jungen, der ebenfalls Rothstein verehrt. Doch dann wird der Mörder entlassen und will nur eins – seinen Finderlohn. Doch er findet den Koffer leer …
Wie Stephen King es schafft, einen Showdown über 160 Seiten zu ziehen, ohne den Leser auch nur einen Augenblick zu ermüden, ist schon großes Kino. Die Rolle des pensionierten Polizisten Bill Hodges, den der Leser aus »Mr. Mercedes« kennt, hätte auch eine andere Figur übernehmen können. Aber vielleicht wohnt dem Mann mit der immer griffbereiten und bleikugelgefüllten Socke ja das Zeug zur Reihe inne. Und da ist noch Brad Hartsfield, der durchgeknallte »Mr. Mercedes«, der mit Mus im Hirn dahinvegetiert. Am Ende des Buches kann er Bilder umfallen lassen – mit der Kraft seiner Gedanken. Da geht doch noch was…
Doch die Leser werden sich noch ein wenig in Geduld üben müssen. Der für Januar angekündigte »Basar der bösen Träume« beinhaltet zunächst eine Kurzgeschichtensammlung.

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